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Edinburgh News

Edinburgh – Dundee

Edinburgh Press No GXJJ  December 28th 1889 price: 75 pence

 

Bemerkenswert: Die Lokomotive überlebte den Sturz relativ unbeschadet, so dass sie unter dem Namen „Der Taucher“ noch jahrelang ihre Dienste versah.

Aus Anlass des sich jährenden Zusammenbruchs der Brücke über den Tay hat sich die Redaktion der Edinburg News entschlossen, einen

Reprint

der seit damals erschienenen Beitrüge zusammenzustellen, um ihren Lesern noch einmal die schrecklichen Ereignisse ins Gedächtnis zu rufen.
Für die Zeitung schrieben:
Anela Carevic, Nicolas Geisthardt, Geraldine Helmstorff, Vitalij Hilsendeger, Christian Knoche, Maria Mildenberger, Christopher Musche, Quyen Nguyen, Mehtap Sackan, Jennifer Rückert.

Technische Gestaltung: Vitalij Hilsendeger, Nicolas Geisthardt und Jürgen Feldpusch

Aus dem Tagebuch einer vom Unglück Betroffenen

Meine Gedanken und Gefühle will ich hier niederschreiben.
Im Dezember 1879 ist für mich und meinem Mann eine Welt zusammengebrochen.
Am 28. Dezember wollte unser Sohn Johnnie aus Edinburgh mit dem Zug zurückkehren. Viele Leute warteten auf ihre Kinder, die mit dem Zug über zwischen den Jahren kommen wollten.
Mein Mann und ich wohnten in einem kleinen Haus am Fluss Tay. Um diesen Fluss zu überqueren, muss man über eine Eisenbahnbrücke fahren. An dem betreffenden Abend warteten wir ohne Ruhe, ob nicht ein Licht am anderen Ufer zu sehen war. Alle Wartenden hatten Angst, denn die Strecke von Edinburgh nach Dundee, unserem Wohnort, ist weit.
 Plötzlich rief mein Mann: "Ich sehe einen Lichtschein am anderen Ufer.“ Ich rannte ans Fenster und sah, wie der Zug auf die Brücke fuhr. Ich war so glücklich, denn in etwa zehn Minuten sollte Johnnie daheim sein.

Die Leute auf dem Bahnhof freuten sich wie kleine Kinder. Und mein Mann sagte glücklich zu mir: „Zünde die Kerzen an wie zum heiligen Christfest.“

Doch plötzlich erlebten wir etwas Furchtbares. Mitten auf der Brücke sahen wir, wie der Zug wie ein Feuerball von der Brücke stürzte und mitsamt der Brücke in den Fluten versank. Seitdem sind wir in tiefer Trauer und fragen uns mit vielen, warum es zu diesem Unglück kommen musste.

Trauer und Wut

Tiefe Trauer sitzt in den Herzen der Verwandten und Freunde der Verunglückten, die ihre Angehörigen nicht bestatten können, denn die sind längst ins Meer gespült worden.

 

Aber auch Wut und Hass greifen um sich. Denn seit Tagen verbreitet sich das Gerücht, dass nicht nur ein Unwetter, sondern gravierende Mängel an der Brücke zum Unglück führten: einfache Konstruktion, schlechtes Material, sowie eine nur unzureichende Wartung. Verachtung wird den entgegengebracht, die eine Teilschuld am Unglück trifft. In der Kirche ist es still. In den Gesichtern kann man Trauer erkennen. Viele sprechen miteinander, teilen ihren Schmerz. Langsam setzt sich die schwarze Menschenmasse in Bewegung, um zum Flussufer zu schreiten und einen Abschiedsblick auf den Unglücksort zu werfen ...

Von unseren Korrespondentinnen
Anela Carevic und Quyen Nguyen

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