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Jürgen Feldpusch

Wiesbaden




         
Côte d’Azur, Ende Oktober 2015
Tag 1
 LH 1058, Frankfurt – Nizza, Bordverpflegung. - Kommt da noch was? Nein, nichts kam mehr!

Aber wenigstens gab es ihr oben einen deutschen Fernsehsender und?
Und unsere Bundeskanzlerin mit dem weidlich bekannten Statement: „Wir schaffen das.“ –
Es riss mich fast aus meinem high-tech-Sicherheitsgurt.

Dachte ich mir doch: Das, was Frau Merkel gerade mit Deutschland anstellt, würde kein Mensch mit seiner Wohnung tun. Keiner, selbst ein ganz ganz guter Mensch, würde sich doch, bevor er Gäste aufnimmt, sich Fragen: Wie groß ist meine Wohnung, wie viel kann ich aufnehmen, schafft das mein Portemonnaie und meine Nerven und wer ist das überhaupt, noch einmal, wer ist das überhaupt?

Entschuldigung, aber wer nicht so denkt, der hat für mich rein subjektiv nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Ja, ich weiß, Polemik ist nicht der „richtige Weg“, aber ich weiß, dass die Integration Hunderttausender meist muslimischer Migranten in Deutschland angesichts der schon bestehenden Parallelgesellschaften nicht möglich ist.

Ach ja: „Wenn Kameraleute Flüchtlinge filmen, suchen sie sich Familien mit kleinen Kindern und großen Kulleraugen aus.“ Tatsache ist aber, dass „80 Prozent der Flüchtlinge junge, kräftig gebaute alleinstehende Männer sind“.

Morgen mehr vom Meer.  
Côte d’Azur, Ende Oktober 2015
Tag 2
Die Fondation Maeght – und ihre Giacomettis in Saint-Paul-de-Vence www.fondation-maeght.com/

Ein Kunsttempel mit einem großartigen Park. Ich wollte unbedingt wieder einmal hierher und mir außer den Braque, Chagalls und den Jean Mirós diese dünnen, überlangen Skulpturen von Alberto Giacometti anzusehen.
Entstanden nach 1945 stehen nach Meinung zahlreicher Kunsthistoriker die sofort wiedererkennbaren Figuren „für das porös gewordene, verbrannte, verzerrte, prekäre Menschenbild des 20. Jahrhunderts.“

Eine der schmalsten Figuren steht im Innenhof der Fondation Maeght.
Kommt man im Hochsommer zur Mittagszeit – Tipp: Fahren Sie niemals im Hochsommer an die Côte d’Azur – passiert etwas Erstaunliches: Die Figur wirft einen kurzen, scharfen Schatten und dieser Schatten zeigt nur einen kurzen Moment das Bild einer gar nicht dünnen Person, sondern das einer mit dicken Hüften.
Irre – Kunst, Kunst!

Im Mai 2015 wurde bei einer Auktion bei Christie’s eine seiner rund 2000 Skulptur für über 140 Millionen Euro versteigert. Wahrscheinlich von Leuten mit jeder Menge „fric“ (Zaster) erstanden.
Zum Beispiel von einem mexikanischen Platin-König oder einer chinesischen Milliardärin oder einem russischen Fünf-Jachten-Besitzer oder einem Ölscheich oder dessen armen Verwandten mit seinen
15 Jumbos.

Ich komme bei solchen Summen immer ins Grübeln. Hm, wenn all diese Magnaten zwanzig Prozent ihres Reichtums abgäben?
Ich mache es einmal so: Morgen esse ich eine Auster weniger, das sind vier Wochen Schule für ein Kind in z.B. Uganda.

Nein, ich verzehre morgen in der „Coquillages BRUN“  www.astouxbrun.com/  in Cannes beim Grübeln sechs Austern. - Ich weiß es ja auch nicht besser.  

    
Côte d’Azur, Ende Oktober 2015
Tag 3
 Hôtel du Cap Ferrat, Cap Ferrat www.fourseaons.com/capferrat

Tja, wo fange ich an. Allein die Geschichte des Pools. Nein ganz von vorne: Der belgische
König Leopold II., eine großer Plünderer der Weltgeschichte, der durch die Ausbeutung des Kongo mit dem Export von Elfenbein und Kautschuk als Privatperson zu jeder Menge „fric“ (Zaster) kam,
reiste 1895 an das Cap und kaufte diese Halbinsel fast komplett.

Wenn man den Biographen glauben darf, hatte er eine wüste Affäre mit einer blutjungen Frau und ließ 1908 diesen Palast mit einem von Gustav Eiffel entworfenen Erkerbau errichten – aus dem später das obige Hotel wurde.

Infoteil: Die Nacht im „Four Seasons Grand- Hôtel du Cap Ferrat kostet ab 295 Euro.
Der Pool. Vorher tranken wir an der Bar je ein Glas Rose et Or vom Weingut Minuty.

Überraschung, diesen Wein gibt es bei Edeka-Nolte in Wiesbaden-Sonnenberg und in Königstein für 24,99 Euro. Für zwei Gläser 0,15 ltr. zahlten wir …

Der Pool. Vorbei an in einer Linie geparkter alter Rolls-Royce und fabrik-neuen bronzefarbenen, akkurat geparkten Bentley ging es zum gläsernen Schräg-Lift (Naja, Bad Ems!) hinunter zum Pool.

Na jedenfalls, an diesem Pool, der unter schwierigen Bedingungen in den dreißiger Jahren erbaut wurde, nahmen Aristoteles Onassis, George Bush senior, Elton John, Ralph Lauren, Paul McCartney, Liza Minnelli, Shirley Bassey und Ronald Reagan bei Peter Grünberg, einem deutschen Juden, Schwimmstunden.
„Sehr geehrter Herr Ralph Lauren Ihren „fric“ (Zaster) haben Sie u.a. auch mir, durch meinen Kauf von rund zwanzig Ihrer Hemden zu verdanken.“

Ach so, wer am Pool lag. An der Bar selbst war weiter nichts los, kein Delon... An der Bar saßen ein paar alte Knacker mit pastellfarbenen Einstecktüchern. Sie starrten auf massive Uhren und taten das, was hier anscheinend viele tun: Warten. Aber auf was?
Côte d’Azur, Ende Oktober 2015
Tag 4
Le Club 55, Plage de Pampelonne, Boulevard Patch – Gibt es eine traumhaftere Straße mit ihren Schirm-Pinien, als diese? Ich kenne keine!
www.club55.fr
Vergleichbares gibt es in Deutschland nur auf Sylt mit der Sansibar und das auch nur abgeschminkt.
Der Le Club 55, Sand, Strand und lässigem, lässigem, lässigem Flair, er ist der Klassiker unter den Strandclubs Europas, heißt es. - Ende Oktober 2015 wirkt das, ist das gottlob entspannt.

Ich möchte es (eigentlich) nicht erleben, was hier im August, September trotz der Professionalität der unermüdlich sich durchschlängelnden Kellner (die weibliche Form bitte mitdenken) stattfindet.

Ein Glas Rose vom stylischen Weingut Minuty - welches keine zehn Minuten unbedingt zu besuchen gilt - gehört dazu. Wer war da? Noch durch die Sonnenbrillen spürt man die Herablassung der zu jeder Menge „fric“ (Zaster) gekommenen (zu dieser Jahreszeit meist deutschen) Gäste.

Ach ja, in der Nacht zum 15. August 1944 fand die Landung der Alliierten Streitkräfte in der Provence an diesem 4,5 Kilometer langen unglaublich schönen Strand statt. Und dies führte zum Zusammenbuch des faschistischen Deutschlands. Und das war gut so!

Wie geht man damit selbst mit einem Minimum an Geschichtsbewusstsein um, angenommen, man kommt hier her? Ich will mich nicht von der Vergangenheit beherrschen lassen, ich will nicht und trank noch ein Glas von diesem Minuty-Wein (den ich Zuhause nicht kaufen würde).  

 
   
Côte d’Azur, Ende Oktober 2015
Tag 5
Da stand ich in Roquebrune (über Menton, fast an der Grenze zu Italien), auf dem Friedhof – nicht zum ersten Mal - vor einem jüdischen Grab mit Steinen drauf, unmittelbar daneben ist Le Corbusier bestattet.
Ja der, der großartige Architekt und Designer, der Weltberühmte. Seine Grab ist so streng und linear wie seine Architektur – und und darüber, ich hörte sie, wie sie miteinander sprachen und lachten, junge Leute voller Kraft und Zukunft schwangen sich über den Tod hinweg. Ein irres Bild!

 http://www.juergenfeldpusch-siemens.de/…/le_gurp_reisestrecke.htm
Irgendein Arzt-, Architekten-, … töchterlein, söhnchen hatte ich immer in einer Klasse. Ich schaute mir die entsprechende Homepage an. Bingo! Papa oder Mama hatten wenigstens einen Möbelklassiker von Le Corbusier. Ein Referat war gesichert. 33 Schülerinnen und Schüler erfuhren im unterrichtlichen Kontext etwas über ihn.

Ach so, um nach Roquebrune zu kommen muss man durch Monaco fahren. „Wir leben in Monaco“, sagen die schicken Leute. Sie wohnen u.a. in immer neu an einer Felskante gebauten Wolkenkratzern,
in den Garagen die Rolls-Roys- und Maybach-Limousinen.
Was rede ich, das sind meist unbewohnte Kästen, es handelt sich ja um Briefkastenadressen.
Ein Klein-Staat, groß sind die Konten, an jeder Ecke ein Defibrillator und ein Polizist in schmucker Uniform.
Warum? Um den Menschen mit jeder Menge „fric“ zu helfen, falls diese vor lauter Zaster in den Taschen nicht mehr laufen können.
Unsinn, man muss nicht durch Monaco fahren, es geht auch über die MOYENNE CORNICHE über la Turbie (ach die Römer!) Richtung Menton.
Côte d’Azur, Ende Oktober 2015
Tag 6
St-Tropez
Auch Ende Oktober flanierten viele hübsche Menschen, Franzosen, Italiener, Deutsche, Asiaten, so in dieser Folge durch den Ort, denn mehr ist er eigentlich nicht. Ein verflixt schöner allerdings.

Die grande fête, ist allerdings um diese Jahreszeit vorbei. Der Jahrmarkt der Eitelkeit ist weit entfernt. Die Reichen und Berühmten sind weitergezogen Richtung Karibik usw. usf. Es bleibt einem Zeit, in Lokale zu gehen, in denen man im Sommer nie einen Platz bekäme.
Zum Beispiel dem Cafe Sénéquier. Keine Reichen und Berühmten aus Film, Adel, Finanzwelt waren anwesend. Schade, hatten wir doch gehofft aufzufallen und zu einer wüsten Party eingeladen zu werden.

Am 1. November werden die „Bürgersteige hochgeklappt“. Der Ort, die Menschen kommen zur Besinnung, so der Hoteleigentümer. Das letzte Aufbäumen findet/fand am letzten Freitag des Oktobers, die/eine „Braderie“ (Straßenverkauf zu Schleuderpreisen und Sonderpreisen) in St-Tropez statt.

Infoteil: Les Figaro, die week-end Ausgabe.
Endlich. Die gesamte Woche über Null Information in den Les Figaro Ausgaben über die Migrationsflut, Flüchtlingswelle. Das berührt, interessiert die Menschen hier überhaupt nicht. Die Franzosen wollen am Prinzip der Souveränität und ihrer kulturellen Identität festhalten.
Das Drängen von Frau Merkel auf europäische Solidarität wird als unsolidarisch angesehen. Hat sie doch „einen törichten Lockruf in die Welt gesendet“ und zwingt nun die europäischen Partner, ihren Fehler auszubaden.

Berlin hat eine „Meise“ hieß es in der Zeitung. So wird das in Frankreich gesehen!

Mehr als Baguette und Wein Französische Woche in Mainz vom 04. – 14. November 2015. Institut Français, Schillerplatz 11. https://mainz.institutfrancais.de/  

   
 
Côte d’Azur, Ende Oktober 2015
Tag 7
Rückflug Nizza - Frankfurt: Kommt da noch was?
Nein, es kam nichts mehr. Zurück von der PACA-Region: Auf der Rückfahrt im Taxi kamen wir mit dem Fahrer in Gespräch: Es sei ein ganz normaler Mensch, der mit gemischten Gefühlen die dramatischen Fernsehbilder betrachtet und in Worte einzuordnen versuche, die dieser Tage permanent zu sehen und hören seien:
„Europa stürzt ins Chaos. Unsere Gesellschaft wird sich dramatisch verändern. Die Bundeskanzlerin mit ihrem uneingeschränkten Willkommensgruß, das ist ein Fehler, der uns noch lange beschäftigen wird.“ …

Ich dachte mir, recht er, der Mann.
So Zuhause: Jetzt kann ich wieder als älterer grauer Herr mit meiner Handgelenktasche und einer Fotoweste, alles in Altmännerbeige, durch die Gegend laufen und langsam mit dem Auto, das viel Zaster gekostet hat, auf der Autobahn herumfahren.  

 
   

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