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Bücherverbrennung im Mai 1933



Am 01. Januar 1933 kamen die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler an die Macht.
Zwölf Jahre und vier Monate später ist alles vorbei, das deutsche Reich liegt in Trümmern, die Deutschen haben alles Ansehen in der Welt verloren.


"Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen."
Diese Worte lässt Heinrich Heine seinen Hassan in der Tragödie "Almansor" (1820) sagen. Diese sollten sich auf schlimme Weise bewahren:
Die öffentlichen Bücherverbrennungen, die vor allem im Mai in Deutschland stattfanden, waren als umfassende "Säuberungsaktion" der deutschen Universitäts-Bibliotheken angelegt.  Dies war eine von langer Hand vorbereitete Propaganda-Inszenierung der Studentenschaften vieler Hochschulen und keine spontanen Aktionen.

So zum Beispiel auch in Frankfurt am Main, wo am 10. Mai 1933 ein Ochsengespann beladen mit Büchern  vom Universitätsgelände an der Bockenheimer Warte zum Römer zog.
Mit der stereotypen Formel "Ich übergebe der Flamme die Schriften von ..."
warfen Studenten an diesem Abend die Werke von unzähligen  Autoren, wie sie sagten, Bücher des "undeutschen Geistes" in die Flammen auf dem Römerberg (wie Filmaufnahmen zeigen) vor dem Gerechtigkeitsbrunnen.
Eine entsprechende Mahntafel, Plakette ("Stolperstein") ist dort in den Boden (2003) eingelassen worden.


Die Listen¹ der missliebigen Schriftsteller (...) wurden vorher auf Geheiß des Propagandaministers Goebbels erstellt. Sie bildeten die Grundlage für die Aussortierung aus den Bibliotheken und Verbote einzelner Werke.

Goebbels wetterte in einer Rede gegen den "überspitzten jüdischen Intellektualismus".
In ihren "Feuersprüchen" warfen die nationalsozialistischen Studenten den Autoren der verbrannten Bücher Dekadenz, politischen Verrat, "volksfremden Journalismus", "Verhunzung der deutschen Sprache" und "Gesinnungslumperei" vor.

Mit diesen Sprüchen 'begründeten' die Studenten und Helfer des NS-Regimes ihre Aktionen. Die Namen  der Schriftsteller, Wissenschaftler, Publizisten und Philosophen wurden mit ihrem 'Sündenregister' bei der Bücherverbrennung vorgelesen.

Und so gehörten auch die Bücher Erich Kästners zu denen, die am 10. Mai 1933 in den Scheiterhaufen geworfen wurden mit dem "Feuerspruch": "Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Erich Glaeser und Erich Kästner."


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Die nachfolgende Aufstellung von verbotenen Autoren, welche die Nationalsozialisten aus ihrer Sicht nicht tolerieren konnten und als "zersetzend" bezeichneten, ist bei weitem nicht vollständig. In ihr sind lediglich die aufgeführt, die ich im Bücherschrank stehen habe:


Walter Benjamin (1892 - 1940 auf der Flucht in Port Bou, Spanien)
Bertolt Brecht (1898 - 1956)
Ernst Bloch (1885 - 1977)
Alfred Döblin (außer Wallenstein) (1878 - 1957)
Lion Feuchtwanger (1884 - 1958) Spurensuche: Deutsche Emigranten in Kalifornien
Sigmund Freud (1856 - 1939)
Oskar Maria Graf (1894 - 1967) Nachdem er den Protestbrief: "Verbrennt mich" veröffentlichte, wurde er ebenfalls verboten und emigrierte in die USA.
Heinrich Heine (1797 - 1856)
Franz Kafka (1883 - 1924)
Erich Kästner (alles außer Emil) (1899 - 1974)
Alfred Kerr (1867 - 1948)
Egon Erwin Kisch (1885 - 1948)
Siegfried Krakauer (1884 - 1966)
Jack London (nur: Zwangsjacke, Eiserne Ferse) (1876 - 1916)
Marcel Proust (1871 - 1922)
Heinrich Mann (außer: Flöten und Dolche) (1871 - 1950)
Klaus Mann (1906 - 1949)

Karl Marx (1818 - 1883) - Das mit dem im Bücherschrank stehen muss ich korrigieren: Die Werke von
Karl Marx zum Beispiel, eben die Bände 22, 23 und 24 habe ich in den 80ziger Jahren auf dem Flohmark verkauft.

Carl von Ossietzky (1889 - 1938)
Erich Maria Remarque (1898 - 1970)
Arthur Schnitzler (1862 - 1931)
Anna Seghers (1900 - 1983)
Upton Sinclair (1878 - 1968) (außer: Boston, Jimmy Hibbins, 100%, Petroleum, Sumpf)
Kurt Tucholsky (1890 – 1935 )
Jakob Wassermann (außer: Gänsemännchen, Juden von Zirndorf)
Franz Werfel (1890 - 1945) (außer: Tod des Kleinbürgers, Barbara, Verdi)
Arnold Zweig (1887 - 1968)
Stefan Zweig (1881 - 1942)
Carl Zuckmayer (1896 - 1977)



Einige Schriftsteller und Autoren, deren Werke im Mai 1933 verbrannt wurden, waren bereits verhaftet bzw. in Konzentrationslagern interniert worden. Viele hatten sich im Ausland in Sicherheit gebracht. Die Verbote und Zensurmaßnahmen gefährdeten allerdings ihre Lebensgrundlage, da ihre Bücher in Deutschland nicht mehr verkauft bzw. gelesen werden durften.

Der Schriftsteller Stefan Andres zum Beispiel widmete sich ab 1933 ganz der Schriftstellerei. Im nun nationalsozialistischen Deutschland gelang es dem jungen Autor jedoch nur schwer, Fuß zu fassen. Eine Arbeit beim Kölner Rundfunk unterbrach er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und zog sich im Frühjahr 1933 mit seiner jüdischen Frau nach Positano in Italien zurück. Bis 1949 wohnte und arbeitete er in Positano.


Genannt sei auch August Sander. Er gehörte zu den wichtigsten Fotografen der Welt. Den Nazis waren seine ungeschminkten Fotos deutscher Menschen ein Dorn im Auge. 1936 wurden seine Bücher und Fotografien konfisziert.
Oder René Schickele. Schon im Jahr 1932 ahnte er die drohende Machtergreifung durch die Nationalsozialisten und emigrierte in das südfranzösische Sanary-sur-Mer. In diesem kleinen Fischerdorf lebten Katherine Mansfield, wie auch Heinrich und Thomas Mann, Arnold Zweig, Franz Werfel, Lion Feuchtwanger, Ernst Toller, Bert Brecht und andere deutsche Literaten.
Oder wie Armin T. Wegner (1886 - 1978). Wegener schrieb im April 1933 an Adolf Hitler. Es ist eines der bewegendsten, klügsten und mutigsten Dokumente, die im letzten Jahrhundert in deutscher Sprache verfasst wurden. Wegner hat teuer dafür bezahlt. Er floh nach der Gestapohaft wie einige auch nach Positano in Italien.
Im Mai 1933 warfen die Nationalsozialisten auch seine Werke ins Feuer.


Weitere Informationen im Internet unter
www.topographie.de
www.vha.fu-berlin.de


Wir befinden uns im Mai 2008, genauer gesagt dem 09. Mai 2008.

Eine Veranstaltung des Pen-Zentrums Deutschland, des Verbandes deutscher Schriftsteller, des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und der von Klaus Staeck geführten Akademie gedenkt der so genannten Bücherverbrennung vor 75 Jahren.
Unter dem Motto „Literatur auf dem Scheiterhaufen – Der Geist im Feuer“ lasen die hochkarätigen Schauspieler Günter Lamprecht und Jutta Wachowiak, die Schriftsteller Volker Braun, Ingo Schulze und Herta Müller aus Werken von Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Bertolt Brecht und anderen Autoren.
Der Gastredner, Bundespräsident Hort Köhler sagte in seine Rede¹ unter anderem:
"Die Freiheit des Wortes und die freiheitliche Kunst sind Fundamente unserer Kultur. Kunst und Literatur brauchen Freiheit - und wo sie die Freiheit nicht haben, wo sie sich nicht frei artikulieren können, da geht es nicht nur der Kunst, da geht es am Ende dem ganzen Gemeinwesen schlecht, da werden alle Menschen in Unfreiheit gehalten.

Deshalb müssen wir Angriffe auf diese Freiheit zurückweisen. Gerade am heutigen Tag müssen wir sagen: Wer Bücher, wer Filme, wer Theateraufführungen, wer Karikaturen verbieten will, der ist auf dem falschen Weg. Jeder kann sich in Wort und Schrift gegen das wehren, was ihm nicht passt oder was ihn möglicherweise verletzt."

zu 1 http--www.bundespraesident.de--,2.645231-Rede-von-Bundespraesident-Hors.htmglobal.printview=2






Ach ja, nur so nebenbei: Als meine Schüler auf den Fotos meine Bücherwand gesehen hatten, ging es vielen nicht in den Kopf, dass ich so viele eklige Bücher habe und mein Fernseher nur ganz klein ist.



Oskar Maria Graf
Zwei Tage nach der Bücherverbrennung, am 12. Mai 1933, veröffentlichte Oskar Maria Graf den berühmten Artikel "Verbrennt mich" in der Wiener Arbeiterzeitung.




Die Werke Sigmund Freunds unterlagen der Zensur.












Erich Kästners Werke unterlagen auch einem Verbot!





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